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Bei der Therapie erhöhter Cholesterinwerte können auch Medikamente Verwendung finden, die als Spritze verabreicht werden. Wir informieren über PCSK9-Hemmer und PCSK9-Synthesehemmer.

PCSK9-Hemmer

Haben Sie schon einmal von PCSK9 (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9)-Hemmern gehört? Bei der Wirkstoffgruppe handelt es sich um Antikörperzur Cholesterinsenkung. Ärzt*innen können sie laut aktuellen Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften bei bestimmten Patientengruppen in Erwägung ziehen. Dazu zählen Betroffene mit familiärer Hypercholesterinämie und Menschen mit einem sehr hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ihren LDL-Cholesterin-Zielwert mit Statinen und Cholesterinresorptionshemmern nicht erreichen.1 Ein derartiges hohes Risiko haben beispielsweise Personen mit einer Diabeteserkrankung oder koronaren Herzkrankheit.2 Auch Patient*innen, die Statine nicht vertragen, können gegebenenfalls PCSK9-Hemmer erhalten.1

Hände und Oberkörper eines Mannes mit weißem Kittel. Er hält ein Klemmbrett und einen Stift. Gegenüber die gefalteten Hände einer weiteren Person.
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Ärzt*innen verordnen diese Arzneimittel entweder in Kombination mit Statinen oder Cholesterinresorptionshemmern oder zusammen mit beiden Medikamenten.3Die PCSK9-Hemmer könnenaber auch allein zum Einsatz kommen.4

Wichtig zu wissen: Anders als andere Cholesterinsenker werden PCSK9-Hemmer nicht geschluckt. Die Therapie erfolgt, indem sich Patient*innen die PCSK9-Hemmer selbst unter die Haut injizieren – je nach verwendetem Wirkstoff in unterschiedlicher Dosierung.1,5 Ärzt*innen beraten Sie zur Anwendung.

So wirken PCSK9-Hemmer

Um die Funktionsweise der Arzneimittel zu verstehen, ist ein Blick in die Leber aufschlussreich. Hier wird in den Leberzellen der größte Teil des LDL-Cholesterins auf- und abgebaut. Der Abbau funktioniert wie folgt: Auf den Zellen der Leber sitzen LDL-Rezeptoren, die das LDL-Cholesterin aus dem Blut entfernen und ins Innere der Leberzellen schleusen. Die Rezeptoren gelangen auf diesem Weg selbst mit in die Zellen. Die LDL-Rezeptoren können anschließend entweder wieder an die Oberfläche der Leberzelle zurückkehren und weiteres LDL-Cholesterin aufnehmen, oder sie werden abgebaut. Der Abbau erfolgt, wenn das Enzym PCSK9 an den Rezeptoren anhaftet. Das Enzym bewirkt, dass weniger LDL-Rezeptoren an der Oberfläche der Leberzellen zur Verfügung stehen. Es kann weniger LDL-Cholesterin gebunden werden, der LDL-Cholesterinwert im Blut steigt. PCSK9-Hemmer greifen in diesen Prozess ein, indem sie an PCSK9 binden und seine Aktivität hemmen, sodass weniger LDL-Rezeptoren abgebaut werden.3Mehr LDL-Cholesterin kann gebunden werden, und die LDL-Cholesterinkonzentration im Blut sinkt.3

PCSK9-Synthesehemmer

PCSK9-Synthesehemmer sind eine weitere Therapieoption zur Cholesterinsenkung. Ärzt*innen können sie bei Erwachsenen mit bestimmten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Erwägung ziehen, die Unverträglichkeiten gegenüber Statinen aufweisen oder bei denen die Behandlung mit Statinen und anderen Lipidsenkern die Cholesterinwerte nur unzureichend senken konnte.6 Mediziner*innen verordnen PCSK9-Synthesehemmer in Kombination mit anderen cholesterinsenkenden Therapien oder aber allein – wenn Statine nicht vertragen werden.7 Wichtig zu wissen: Anders als PCSK9-Hemmer werden PCSK9-Synthesehemmer nicht von Patient*innen selbst, sondern von medizinischem Fachpersonal als Spritze verabreicht.

So wirken PCSK9-Synthesehemmer

PCSK9-Synthesehemmer setzen an einer anderen Stelle als die PCSK9-Hemmer an. Sie sorgen dafür, dass das Eiweiß PCSK9 gar nicht erst hergestellt werden kann, indem sie dessen Bildung in der Leberzelle hemmen.3 In der Folge bleiben die LDL-Rezeptoren erhalten. Die Leberzelle kann mehr LDL-Cholesterin aufnehmen, und der LDL-Cholesterinspiegel im Blut sinkt.

Wichtig: Cholesterinsenkende Medikamente wie PCSK9-Hemmer und PCSK9-Synthesehemmer müssen regelmäßig verabreicht werden. Nur so können die Cholesterinwerte der Betroffenen gesenkt und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt werden. Patient*innen sollten bei Fragen und Unsicherheiten nicht zögern, ihr Behandlungsteam anzusprechen. Gemeinsam findet sich ein Weg, den Cholesterin-Zielwert bestmöglich zu erreichen.

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Quellen

1. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk: The Task Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS). https://academic.oup.com/eurheartj/article/41/1/111/5556353?login=false, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.
2. Very High Risk of Future ASCVD Events. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK305897/table/lipid_risk-mgt-hbc.T.very_high_risk_of_f/, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.
3. Lipidsenker. https://www.amboss.com/de/wissen/Lipidsenker/, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.
4. PCSK9 inhibitors for secondary prevention in patients with cardiovascular diseases: a bayesian network meta-analysis. https://cardiab.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12933-022-01542-4, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.
5. Welche Cholesterinsenker gibt es? https://www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/cholesterin/cholesterinsenker, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.
6. Lipidsenker Inclisiran nur in Ausnahmefällen verordnungsfähig. https://www.kvbawue.de/kvbw/aktuelles/news-artikel/lipidsenker-inclisiran-nur-in-ausnahmefaellen-verordnungsfaehig, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.
7. Inclisiran (Leqvio®). https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2021/2021-01-02/inclisiran-leqvior, zuletzt aufgerufen am 18.07.2023.